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Im Juni 1966 wurde zur Verwirklichung eines solchen Satelliten erneut eine eigenständige Gruppe von Konstrukteuren innerhalb des Design Institute of Satellite Development (DISD) einberufen. Die Leitung übernahm Wang Xiji, welcher umgehend an verschiedene Institute Aufgaben zur Entwicklung der nötigen Subsysteme verteilte. Kaum einen Monat später sollten erstmals Hunde in suborbitalen Flügen ins All gelangen und sicher zurückgeführt werden. Drei Monate später sollte bereits ein vollständiges Lebenserhaltungssystem zur Verfügung stehen und während eines Fluges mit einem Affen an Bord erprobt werden. Eben in jene Zeit fiel der Beginn von Maos Kulturrevolution. Die notwendige Technik war bereits auf dem Weg ins Kosmodrom Jiuquan, als führende Köpfe des chinesischen Raumfahrtprogramms wahllos ihrer Posten enthoben, inhaftiert oder gar hingerichtet wurden. Trotz des andauernden Staatsterrors konnte am 11. September 1967 der Entwurf des Satelliten abgeschlossen werden. Dieser sollte nunmehr auch als militärische Plattform nutzbar sein: zur Aufklärung/Spionage durch Kameras inklusive der Möglichkeit der Rückführung der Filme oder aber als Träger von Nuklearsprengköpfen.
Am 5. Oktober begann bereits die Auswahl des ersten Taikonautenteams. Hiermit beauftragt wurde Guo Rumao, Direktor des Vierten Forschungsinstitutes der Luftwaffe. Zu Grunde gelegt wurden die Auswahlverfahren Ende der 50'er in den USA und der Sowjetunion. Guo kam ebenso zu dem Schluss, dass nur erfahrene Piloten geeignet für diese Tätigkeit seien. Hinzu kamen strenge politische Kriterien: eine "saubere" Parteiakte war ebenso ein Muss wie auch eine höhere Schulbildung. Außerdem sollten die Aspiranten möglichst leicht und klein sein, was wohl mit der Physiologie der Chinesen ebenso zu tun hat wie mit der begrenzten Kapazität der angedachten Kapsel. Hier wäre der Mensch genauso Nutzlast wie ein Kamerasystem oder eben ein Sprengkopf. Insgesamt wurden nach diesem Schema bis 1971 19 Kandidaten ausgewählt. Die Namen einiger von ihnen wurden später bekannt. Mao selbst ordnete im April 1971 die Schaffung eines Trainingzentrums an und ließ dafür aus der Luftwaffe weiteres Personal, insgesamt 500 Personen, rekrutieren. Dieser Befehl wurde festgehalten als das eigentliche Projekt 714. Noch vor Ende des Jahres 1973 sollte ein erster bemannter Flug erfolgen können, was insgesamt rund zwei Jahre intensives Training ermöglichte. Die Astronautengruppe selbst wurde nur sehr mager ausgestattet: zur Verfügung stand ihnen ein Auto und ein Telefon, untergebracht wurden sie zunächst in Kasernen und Trainingsgerät musste mühsam und langwierig beantragt werden. Nachdem der Verteidigungsminister Lin Biao am 13. September 1971 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, setzte erneut eine Säuberungswelle im gesamten Militär- und Wissenschaftsapparat Chinas ein. Mao vermutete, dass Lin Biao in die UdSSR flüchten wollte und sah zudem die Gefahr eines Staatsputsches. Auch das Raumfahrtprogramm wurde erneut einigen ihrer fähigsten Köpfe beraubt. Hier endete das Projekt 714 allerdings nicht, obwohl es unter die besondere Aufsicht des Militärs geriet. Die Zahl "714" bezeichnete im trockenen Politjargon jener Jahre den Fall einer bewaffneten Revolte, und unglücklicherweise erhielt das Taikonautenprogramm eben diese Bezeichnung. Groteskerweise wurde deshalb eine Verschwörung vermutet. Nach und nach wurden dem Projekt die Ressourcen entzogen. Ein Trainingsmodell des Raumschiffes musste selbst aus Holz angefertigt werden und "Weltraumnahrung" wurde eigenhändig in Zahnpastatuben gefüllt. Konfrontiert mit Bittschriften der Projektleiter erklärte Mao, dass das Raumfahrtprogramm nicht die nötige politische Disziplin aufweise. Überhaupt erfordere es die volkswirtschaftliche Lage des Landes, zuerst an irdische Dinge zu denken und den Weltraum später zu beschreiten. Bis zum 13. Mai 1972 kehrten alle Projektteilnehmer zu ihren früheren Militäreinheiten zurück, das Taikonautenkorps wurde offiziell aufgelöst.
Noch immer hielt man seitens der Planungsbüros ungeachtet aller Querelen am Plan eines bemannten Fluges fest. Im Februar 1978 wurde durch die Staatsmedien erstmals verkündet, dass ein bemanntes Raumfahrtprogramm im vollen Gange uns mit einem ersten Flug alsbald zu rechnen sei. Jen Hsinmin, Chef der neu gegründeten Chinesischen Weltraumbehörde, erklärte im November gar, dass darüber hinaus der Start einer Raumstation ähnlich dem amerikanischen Skylab geplant ist. Kurz darauf, im Januar 1980, erschienen in der Presse Fotos von Taikonauten im Training in einem Raumschiff-Simulator, der unweigerlich an das Cockpit des Space Shuttles erinnerte. Hinzu kamen Bilder von angeblichen Raumfahrerkandidaten in Skaphandern und Druckanzügen sowie beim Einnehmen von Tubennahrung. Der Knackpunkt ist, dass zu jenem Zeitpunkt offiziellen Angaben zu Folge kein entsprechendes Raumfahrerkorps existierte. Oder doch?
Nach dem Tode Maos schien eine Wiederaufnahme des bemannten Weltraumprogramms sowieso illusorisch. Dieses war endgültig gestorben. In die Zeit um 1980 fallen auch Berichte, ein Taikonaut sei bei einem Startversuch ums Leben gekommen. Dies bestätigte sich bisher nicht, auch wenn viele westliche Experten diesen angeblichen Vorfall für den eigentlichen Grund der Einstellung des Programms ansehen. Schlüssige Beweise gibt es freilich auch hierfür nicht. Über das damals konzipierte Raumschiff ist leider wenig bekannt. Im Westen bekannt wurde es als Shuguang ("Morgenröte"), seine ursprüngliche Projekt- und Werksbezeichnung ist Shu Guang Yi Hao. In der westlichen Literatur ist in der Regel von Dawn-1 die Rede. Angenommen werden kann, dass es sich dabei um eine modifizierte und vor allem vergrößerte Version des rückführbaren Satelliten FSW (Fanhui Shi Weixing) handelt, wie es auch ursprünglich angedacht wurde. In einem solchen Gefährt hätte wahrscheinlich nur eine einzige Person Platz gefunden und hätte seine Reise an Stelle einer alternativen Nutzlast, etwa des angesprochenen Kamerasystems, angetreten. Da das Hitzeschild der FSW-0-Kapsel vorwärts (also oben) montiert war, hätte sich der Taikonaut auf einem drehbaren Konturensessel befinden müssen. Anderenfalls hätte er entweder den Start oder die Landung nach unten hängend ertragen müssen. Eben dies war in einer Studie von Martin Marietta auch für das Mercury-Raumschiff der Amerikaner angedacht, erwies sich aber in der Praxis als zu kompliziert.
Tabelle 1: spekulative Daten Shuguang*
*) unter Annahme einer modifizierten FSW-0-Kapsel |
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