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Projekt 921-2 - `Chinesische Skylab´


Das Projekt 921-2 beschäftigt sich mit dem Aufbau einer eigenen Raumstation - die stark an die Raumstation Mir erinnert.

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Autor: Felix Korsch, 13.08.2003


Von Anbeginn der Entwicklung des Rauschiffes Shenzhou an liefen parallel Planungsarbeiten an einer eigenen Raumstation, um auch längerfristige Arbeiten im All durchzuführen und eine permanent Stationierung von Taikonauten im Orbit zu ermöglichen. Die ursprünglich ab 1992 projektierte Raumstation sollte dabei eine Masse von rund 20 Tonnen, eine Länge von 15 Metern und einen Durchmesser von 4,2 Metern aufweisen. Mit diesen Parametern ähnelt es dem Basismodul der Raumstation Mir, zumal Projekt 921-2 ebenfalls fünf plus eine (fünf an dem einen, eine weitere am anderen Ende) Dockingmöglichkeiten bieten sollte. Hinzu kämen riesige Solarzellenausleger mit einer Spannweite von mehr als 22 Metern.



Ein Modell einer größereren Raumstation, gezeigt auf der Expo 2000 in Hannover - die Module stellen vergrößerte Versionen der Orbitalsektion von Shenzhou dar.
(Bild: Mark Wade, astronautix.com)
Als sich bis Ende 1993 mehr und mehr abzeichnete, dass die dafür nötige, neu zu entwickelnde Trägerrakete, welche auch für den Start des Shenzhou-Raumschiffes zum Einsatz kommen würde, keine Finanzierung aus Peking erfährt, mussten die Pläne für eine solche Raumstation überdacht werden. China ist es bis heute unmöglich, eine solche Masse mit einem Mal ins All zu hieven. Anstatt eines großen, zentralen Moduls sollte nun der Gedanke einer modularen Raumstation weitergedacht werden. Dem entsprechend wurden einzelne, kleinere Module mit einer Masse von jeweils 8 bis 12 Tonnen projektiert, welche mit Hilfe einer existierenden CZ-2E oder gar einer neuen CZ-2E(A) ins All gebracht werden könnten.

Im Februar 1999 erhielt die Raumstation das "Go" aus Peking und die Design-Arbeiten wurden im Mai zu Ende geführt. Eine hierfür konstruierte Vakuumkammer von 12 Metern Länge und mit einem Durchmesser von immerhin sieben Metern gab Beobachtern einen ersten Anhaltpunkt für die Dimensionen der geplanten Station. Auf der Expo 2000 in Hannover wurde dann erstmals ein Modell jener Raumstation präsentiert. Jenes Modell machte deutlich, dass die einzelnen Module im Grunde vergrößerte Versionen des Orbitalmoduls von Shenzhou sind, verbunden durch einen zentralen Kopplungsknoten (ähnlich den Nodes an der Internationalen Raumstation ISS). Die Gesamtlänge betrüge demnach nicht mehr als 20 Meter bei weniger als 40 Tonnen Gesamtmasse.

Als im Februar 2001 die Entscheidung zur Entwicklung einer neuen Trägerrakete mit Namen CZ-5 mit angedachtem Flugbeginn um 2008 kam, ergab sich eine Möglichkeit, wieder größere Dimensionen als Maßstäbe anzusetzen. Die neue Trägerfamilie CZ-5 könnte Module mit maximal 20 Tonnen Masse und gar 5 Metern Durchmesser ins All bugsieren. Im Juni 2001 wurde schließlich von Wang Yongzhi, Chefingenieur des bemannten Raumflugprogramms, ein dreiteiliger Plan zur Realisierung einer solchen Raumstation bekannt gegeben. Phase 1 wird die Durchführung einzelner Shenzhou-Flüge mit dazu gehörigen experimentellen Arbeiten beinhalten. In Phase 2 werden Raumausstiege, Rendezvous im Orbit sowie Kopplungen folgen, um die Möglichkeiten des Shenzhou-Raumschiffes voll auszureizen. Es würde unmittelbar der Start einer kleinen, nicht permanent bemannten ("man rated") Raumstation folgen. Im Rahmen von Phase drei soll schließlich eine komplexe Raumstation realisiert werden.



Erst jüngst veröffentlichtes Bild zweier chinesischer Raumstations-Module.
(Bild: unbekannt)
Im Februar 2003 tauchte aus einer chinesischen Werkshalle ein erster Foto auf, welches offenbar eine solche chinesische Skylab zeigt. Das zwischen 4 und 5 Meter im Durchmesser große Modul soll nun bis frühestens 2010 ins All gebracht werden. Ausgestattet mit einem Dockingport ähnlich dem russischen APAS-System könnte es jeweils ein Shenzhou-Raumschiff aufnehmen. Im Hintergrund sichtbar ist ein zweites, wesentlich schmaleres Modul, ausgestattet mit Solarzellen-Auslegern. Die Tatsache, dass sich beide Module bereits im fertig montierten Zustand befinden - auch wenn es sich wohl nur um Mock-Ups handelt -, zeigt, dass die Projektarbeiten bereits weit fortgeschritten sind. Insgesamt erinnert das gezeigte Bild an die frühen sowjetischen Salut-Raumstationen.

Wann eine Realisierung erfolgt steht noch in den Sternen, denn hier kommt es auf die rasche Entwicklung der neuen CZ-5-Trägerfamilie an. Immerhin wurde bereits die Schaffung eines eigenen Roboterarmes für das geplante Raumlabor bekannt gegeben. Mit einer Gesamtlänge von 11 Metern und einer Gesamtmasse von 20 Tonnen wäre eine solche zweigliedrige Raumstation ein enormer Schritt nach vorn.

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