zur Startseite
  Navigation  
 

Suche

China testet Weltraumwaffe


In der Nacht vom 11. auf den 12. Januar 2007 startet China vom Weltraumbahnhof Xichang eine ballistische Rakete. Wenige Minuten darauf trifft sie in einer Höhe von 600 Kilometern den Wettersatelliten ausrangierten Fengyun-1C der Volksrepublik und pulverisiert ihn.

Druckversion

Autor: Karl Urban, 21.01.2007


Der Idee, die eigene Satellitenflotte zu schützen und gleichzeitig die gegnerische lahmzulegen ist nicht neu. Bereits im kalten Krieg versuchten beide Großmächte entsprechende Prozeduren zu untersuchen. Doch in der Tat ist es nicht so einfach wie auf der Erde, im Bereich der Umlaufbahn Krieg zu spielen, selbst wenn es sich nur um konventionelle Angriffe handelt.

Denn die Zerstörung eines Objekts in einer Umlaufbahn bedeutet in erster Linie: Die Umwandlung eines gut steuerbaren Raumflugkörpers in tausende oder zehntausende kleinere (und damit deutlich gefährlichere) nicht kontrollierbare Einzelteile, die von nun an in der entsprechenden Höhe umherflitzen. Auch die Kollision mit sehr kleinen Trümmerstücken im Zentimeter- oder Millimeter-Bereich kann für einen intakten Satelliten oder eine Raumstation große Probleme aufwerfen. - Und leider ist es diesen Trümmerstücken egal, ob sie nun einen freundlichen Satelliten beschädigen oder einen feindlichen.

Dies ist wohl auch der Grund, warum ähnliche Versuche seit fast 20 Jahren von keiner Raumfahrtnation mehr durchgeführt wurden. Zu groß ist die Gefahr, den international stark wachsenden Satellitenverkehr zu beeinträchtigen und zu groß ist die Abhängigkeit der Zivilisation geworden von der Satellitentechnik.

Bei China handelt es sich um eine extrem schnell aufgestiegene Industriemacht, die im technologischen Sektor gegenüber dem Westen schnell aufholt und auch in der Raumfahrt große Ziele hat. Daher ist es sehr verwunderlich, dass es die Volksrepublik riskiert, die für die Erdbeobachtung so wichtige Umlaufbahn in 600 Kilometern Höhe mit einer Wolke Weltraumschrott zu belasten, da sie damit ganz offensichtlich eigene Interessen konterkariert. China betreibt seit längerem ein bemanntes Raumfahrtprogramm - und sollte so wissen, dass derartige Aktionen nicht nur Satelliten sondern auch Menschenleben gefährden können - auch chinesische.

Vermutlich ist die Zerstörung von Fengyun-1C aber in erster Linie eine militärische Machtdemonstration, um die Allmachtsfantasien der Vereinigten Staaten in die Schranken zu weisen. Ob dieses Ziel erreicht wird, dürfte stark zu bezweifeln sein. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich die USA auf dem Gebiet der Weltraumkriegsführung herausgefordert fühlen werden und das viel gefürchtete "Wettrüsten im All" einsetzen könnte, in das sich bald auch andere Akteure wie Russland, Indien oder Pakistan einmischen dürften.

Dieser pessimistische Blick in die Zukunft verheißt nicht viel Gutes: Eine Zunahme von Weltraumwaffentests wird die Gefährdung durch Weltraummüll weiter vergrößern und damit zuerst die bemannte Raumfahrt in ihrer Existenz bedrohen. Aber schon aufgrund der enormen Abhängigkeit der Industriegesellschaft von Satellitenanwendungen wie Navigation, Mobiltelefonie oder Wetterbeobachtung sollte allen beteiligten Mächten klar sein, dass sie mit einem Wettrüsten im All in erster Linie ihre eigenen Weltraumaktivitäten zunehmend gefährden werden. Denn in der Raumfahrt gibt es keine scharfen Grenzlinien: Erdnahe Umlaufbahnen sind öffentlicher Raum, den alle Staaten gemeinsam nutzen. Daher haben hier Waffensysteme jeglicher Art nichts verloren.

Verwandte Websites:

 
News & Berichte
Newsarchiv
RSS

Geschichte
Projekt 714
Projekt 921
China und die MIR
Europa-China

Trägerraketen
Langer Marsch 1
Feng Bao 1
Langer Marsch 2
Langer Marsch 2F
Langer Marsch 3
Langer Marsch 4
Kaituozhe 1
Langer Marsch 5

Shenzhou
Shenzhou 1
Shenzhou 2
Shenzhou 3
Shenzhou 4
Shenzhou 5
Shenzhou 6
Shenzhou 7
Shenzhou 8

Taikonauten
Gruppe 1
Gruppe 2
Gruppe 3

Infrastruktur
Kosmodrom Jiuquan
Kontrollzentren

Zukunft
Kopplungen
Raumstation
Raumgleiter
Mondflug
Weltraumwaffen

Interviews
Chen Lan
Harro Zimmer

Ressourcen
Multimedia (Galerie)
Downloads
Bibliographie
Presse
Impressum




 

  Eine Webseite von  


       
 

Nach oben

 
Raumfahrer.netAlle Berichte sind das geistige Eigentum der Autorinnen und Autoren. Jede unautorisierte Übernahme ist ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Raumfahrer.net, © 2001-2012